Winterkanutour 30.01.2005
Im Winter Kanufahren?! Wenn Schnee liegt, der Eisrand am Ufer wächst und das Thermometer am untersten Ende der Skala anschlägt? Na mal ehrlich: Wem läuft es da nicht eiskalt den Rücken runter beim bloßen Gedanken daran? Das muss doch jeden vernünftigen Menschen erschrecken. Für vier unerschrockene Rover war allerdings gleich klar: so ein Abenteuer muss jeder einmal bestehen, das gehört zum Leben dazu wie Hausbauen, Baumsetzen usw.; nur bisher ist das Wetter noch zu milde gewesen.
Erst am vergangenen Wochenende benutzte der Wettervogel vom SWR ausreichend Superlative bei seiner Wettervorhersage, sodass es endlich losgehen konnte. Die bisher kälteste Nacht verbrachten wir unter freiem Himmel im Schlafsack direkt neben dem kleinen Flüsschen Lauter droben auf der Alb. Am nächsten Morgen verweigerte sich zunächst unser Gaskocher, dem Feigling war es schlichtweg zu kalt, so dass wir zum Kaffeekochen auf Esbit zurückgreifen mussten. Gegen 7 Uhr begrüßte uns die Morgensonne und versprach uns einen strahlend klaren Wintertag. Der kleine Fluss dampfte bei geschätzten 15 Grad minus wie ein Waschkessel und die bizarren Eisformationen am Ufer glitzerten in der eiskalten Luft. Es war Zeit das Kanu zu Wasser zu lassen. Benedikt stellte dabei fest: „Das Boot gleitet so reibungslos durch den Schnee wie ein Schlittschuh auf dem Eis.“ Wenig später paddelten wir lautlos durch das Wasser; bis auf ein leises Glucksen war alles totenstill. Ab und an kreuzten ein paar aufgeschreckte Enten und Reiher unseren Weg; ansonsten waren wir ganz allein in der winterlichen Traumwelt. Die Alltagswelt war in diesem Moment endlos fern und die scharfe Frostluft prickelte wohltuend auf der Haut.
Im Nu waren wir um die ersten Schleifen herum. Dann plötzlich tauchte vor uns ein Wehr auf, es blieb uns keine Zeit zu bremsen, sodass wir über die Staustufe fahren mussten. Dabei schwappte vorn Wasser ins Kanu, das sogleich zu Eis gefror. Glücklicherweise konnten wir durch unsere Erfahrung im Umgang mit dem Kanu Schlimmeres verhindern und somit unversehrt die Fahrt fortsetzen. Zwei Stunden später haben wir das Abenteuer halb erfroren beendet oder anders ausgedrückt wir hatten so viel Natur und Abenteuer geatmet, dass wir nun wieder zusammenpacken konnten. Die teilweise schon tauben Zehen wurden in den Wassern des Thermalbades Beuren vorsichtig wiederbelebt und bei einem frischen Weißbier haben wir uns geschworen, dass wir so einen Sch… nie wieder machen werden.
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